Dienstag, 29. April 2008

Brief an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg vom 29. April 2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich im Rahmen der Umgestaltung des Bethanien-Geländes, bzw. der dazu eingeleiteten Bürgerbeteiligung, um ein Gartengelände bemühen. Wir verstehen uns als Teil der Bewegung „Interkulturelle Gärten“, zu denen der vom Abgeordnetenhaus am 8. Juni 06 verabschiedete Beschluss Agenda 21 folgendes sagt:

„In interkulturellen Gärten erhalten Einwanderer und Spätaussiedler gemeinsam mit Einheimischen die Gelegenheit, ihre Traditionen und Besonderheiten der Gartengestaltung zu entfalten und sich kulturell näher zu kommen (3.3)“

Dem möchten wir hinzufügen, dass ein solcher Garten auch eine gute Kommunikationsbasis zwischen Alten und Jungen ist.

Nachdem wir auf dem ersten Workshop den Eindruck gewonnen hatten, hier sei durchaus ein positives Ergebnis möglich, sehen wir das momentan leider nicht.


1. Die uns speziell für Gemüseanbau vorgeschlagene Häuserlücke Waldemarstr.32 entpuppte sich zum Einen als durchaus genutzt von einer Reihe von AnwohnerInnen, zum Anderen zum Gemüseanbau als zu schattig und klein. Es ist schlicht ein Scheinangebot.


2. Das Gelände neben dem Pestalozzi -Fröbelhaus soll nach momentanem Stand der Planung zur Hälfte „Blumenwiese“ werden, zur anderen Hälfte „Familiengarten“, ein durch durchlässige Hecken lose abgeteiltes, etwas „lauschigeres“ Gelände, dessen diverse Blumenrabatte, von „Paten“, wie auch anderswo auf dem Gelände, betreut werden. Wie immer und von wem auch immer am Ende solch ein Gelände genutzt wird, es entspricht nicht dem was wir wollen.

Damit sind wir wieder am Ausgangspunkt des ersten Workshops, als vonseiten der Verwaltung kategorisch erklärt wurde: „Es wird hier keine Gärten geben!“

Sehr richtig bemerkt dazu die bereits erwähnte „Lokale Agenda 21“:

„Obgleich der Obrigkeitsstaat in den vergangenen Jahrzehnten überwunden wurde, haben viele Bürger immer noch das Gefühl, dass die Verwaltung über ihre Köpfe hinweg entscheidet und sich nicht an ihren Interessen orientiert.“

Im selben Zusammenhang verlangt das Dokument: „Negative Prüfergebnisse bedürfen einer nachvollziehbaren Begründung, um die Motivation zur Beteiligung auch langfristig zu erhalten“. Das sehen wir nicht.

Dazu das Folgende:

Wir brauchen ein Gelände, auf dem wir selbständig entscheiden können, wie es gestaltet und genutzt wird. Ausgeschlossen wäre hier sicher niemand, der oder die daran sich beteiligen will, wohl aber eine autoritäre „Verfügung“ durch Behörden. Dies ist durch das offenbar angedachte Patenmodell nicht gegeben. Für Schülergruppen ist die Teilnahme an einem Interkulturellen Garten allemal attraktiver als die Pflege eines behördlich zugewiesenen Blumenbeetes irgendwo in der anonymen Weite des Parkes. Wir sehen hier ein Modell, das sich gerade in der gemeinsamen Gestaltung verwirklicht.


3. Deshalb kommen wir zu dem Schluss, dass das ehemalige Baumaterialienlager an der Nordseite das am Weitesten geeignete Gelände ist und wir darauf bestehen.

Zu den dazu vorgetragenen Einwänden

a. Die unter dem Gelände verlaufenden Leitungen. Es sollte ohne große Probleme möglich sein, so zu gärtnern, dass hier kein Schaden entsteht.

b. die Einzäunung. Richtig ist, so ein Gelände braucht einen Schutz vor frei herumlaufenden Hunden, und auch einen gewissen Schutz vor Vandalismus, obwohl der nie und nirgends 100%ig sein wird. Der beste Schutz ist allemal die Präsenz im Garten und eben das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung dafür. Gewiss, wird Letzteres ja für den Park insgesamt angestrebt, ist aber durch das gegenwärtige Vorgehen durch die Verantwortlichen gerade nicht zu erreichen. Behördlich erwünschte „Bürgerbeteiligung“ ist eben nicht gleich selbstbestimmtes, kollektives Handeln – eine offenbar in die Verwaltung hinein nur schwer vermittelbare Einsicht.

Wir sind uns sicher, dass unser Garten nicht abweisend, sondern einladend sein wird. Ein Weg, der an dem Garten vorbeiführt, wird nicht nur einen Blick „über den Zaun“ ermöglichen, sondern auch ein Gespräch von Draußen nach Drinnen, ein Nicht-dazugehören-Wollen und doch sich Mitfreuen an den Aktivitäten, den Blumen und dem Gedeihen des Ganzen.


4. Wir verschließen uns nicht alternativen Angeboten. Wir verweisen in dem Zusammenhang nochmals auf das Gelände hinter dem Kinderbauernhof am Bethaniendamm, das gegenwärtig als Lager für Baumaterialien genutzt wird. Wir würden allerdings eine Zusage erwarten, die ein auch längerfristiges Gestalten sinnvoll macht.

Wir bitten alle in der einen oder anderen Weise an dem Planungsvorgang Beteiligten unsere Überlegungen mit einzubeziehen.



Mit freundlichen Grüßen
"Interkulturelle Nachbarschaftsgärten am Mariannenplatz"

1 Kommentar:

  1. vielen dank für die arbeit! bis übermorgen
    manja und andrea

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